Alpenbrevet in Meiringen (Schweiz) 2009

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Tachoangaben: 132,37Km; 7:19:27Std.; 18,27Km/h Schnitt; 71,09Km/h max (3875Hm)


Alpenbrevet_StartnrEine Alpenradtour der ganz besonderen Art stand auf dem Programm. Ich wollte es immer Alpenbrevet_kurz_vor_startschon einmal wissen wie es ist einen BERG hoch zufahren. So hatte ich mich einfach zum Alpenbrevet in der Schweiz angemeldet. Es war kein klassisches Radrennen und so gab es nur die Einzelzeiten der jeweiligen Teilnehmer und keine Platzierungen. Genau das richtige für mich 6 Tage nach der Staffel beim OstsseMan in Glücksburg. Und damit das ganze nicht zu langweilig wurde, hatte ich meinen Familienurlaub gleich Drumherum gelegt. Die Anfahrt nach Meiringen, dem Startort des Alpenbrevets, war nicht allzu weit. Ganze 55Km mussten wir nur zurücklegen. Denn vorher hatten wir einen Abstecher zu Marlene, einer Freundin meiner Frau Birgit, gemacht. Das Wetter der letzten Tage hier in der Schweiz war hervorragend. 30°C und Sonne pur. Nur als wir am Nachmittag in Meiringen ankamen zog es dunkel von den Bergen herauf. Beim Abholen der Startunterlagen nieselte es schon. Der Ort Meiringen war relativ klein und für eine Veranstaltung solchen Ausmaßes waren wenig Radfahrer zu sehen.

GrimselpassDer Start war für Samstagmorgen um 6:45Uhr geplant. So klingelte der Wecker bereits gegen 5:30Uhr. Knapp 45Minuten später machte ich mich auf Richtung Start. Mein „Frauchen" Birgit begleitete mich. Der Start war nur 2Km von unserem Campingplatz entfernt und so waren wir schnell dort. Der Start erfolgte direkt von der Hauptstrasse des Ortes Meiringen. Es waren schon eine Menge Radfahrer da und ich ordnete mich hinten ein. Ich hatte mich für die GOLD Tour angemeldet. 4 Pässe, 178Km und über 5000Höhenmeter sollten es heute werden. Der Start erfolge pünktlich und ich fuhr mit 1300 Teilnehmern los. Die ersten 6Km Straße waren komplett für den Autoverkehr gesperrt. So konnten die schnellen und ambitionierten Radfahren zügig losfahren. Ich wollte es ruhig angehen lassen. Nach wenigen Km die erste erwähnenswerte Steigung. Aber kein Problem. Nach nur wenigen Km ging es in rasanter fahrt schon wieder Bergab. Dann war es soweit, der Grimselpaß lag vor uns.

Das Wetter hatte sich abgekühlt und so waren es am frühen morgen angenehme 15°C. Die Schlange der Radfahrer zog sich nun stark auseinander. Als ich das erste mal auf die Uhr schaute waren schon 1,5Std. seit dem Start vergangen, ein Blick auf den Tacho zeigte gerade mal 17km. War ein ziemlich schlechter Schnitt ;-). Na ja, mein Tacho zeigte ja auch nur 9,5Km/h an. Zum Glück gab es bei diesem Pass immer wieder kleine Stellen die etwas eben waren, so dass man ein wenig verschnaufen konnte. Der Ausblick war hervorragend und das Wetter spielt noch mit. Nur die Beine die machten sich doch schon bemerkbar. Und das war erst der erste Pass!!! Das ich mir in Hamburg noch schnell ein 30ger Ritzel hinten montiert lassen hatte merkte ich kaum. Aber ohne dem wäre es wohl kaum zu schaffen gewesen. Nach gut 2,5 Stunden hatte ich den ersten Gipfel erreicht. 2164M über dem Meer. Hier lag die erste Verpflegungsstation. Ich füllte meine Trinkflaschen, schlürfte eine leckere warme Brühe und aß ein PowerBar Riegel. Dann wurde mir kalt und ich zog mein langes Radshirt, eine Windjacke und eine lange Radhose für die Abfahrt an. Nun ging es weiter. Noch nie bin ich einen Pass hinaufgefahren und ebenso hatte ich auch mit der Abfahrt keine Erfahrungen. So fuhr ich, fast nur auf der Bremse die ersten Km hinunter. Die Abfahrt war sehr Kurvenreich und so kam ich auch nicht auf den Gedanken ordentlich Tempo zu machen. Nach gut 6Km gab es in Gletsch eine Abzweigung. Links herum weiter auf der Silber-Tour, rechts herum weiter ins Tal auf der Gold-Tour. Überrascht jetzt schon eine Entscheidung zu treffen Überlegte ich kurz was ich machen sollte. Da der letzte Aufstieg noch nicht allzu lange her war und ich meine Oberschenkel noch spürte, entschied ich mich nun doch für die kleinste Strecke, die Silber Tour. Die richtige Entscheidung wie sich später herausstellen sollte!

FurkapassWährend die Gold-Tour weiter Bergab ins Tal führte, ging es für uns „Silber Fahrer" nun schon wieder bergauf, 10Km und 672Höhenmeter hoch zum Furkapass. Endlos zogen sich die Km hin. Hier auf der Silber-Tour wurde es merklich leerer auf den Straßen. Allerdings sah ich zu jeder Zeit Radfahren und so fühlte ich mich nicht allein. Meine Beine hatten sich noch nicht so recht erholt und mussten schon wieder 100% geben. Nicht einfach, zumal man ab und an die in weiter Entfernung liegenden Serpentinen sehen konnte die man noch zu fahren hatte. Doch auch den Furkapass hatte ich irgendwann erreicht. 2436M über dem Meer. Erneut machte ich oben Pause und zog mein langes Radshirt, die Windjacke und lange Radhose erneut über. Ich hatte diese gleich zu Begin des Furkapasses wieder ausgezogen. Eine Verpflegungsstelle gab es auch hier wieder. So dass ich mich für die Abfahrt und dem letzten Aufstieg stärken konnte. Dann begann die rasante Abfahrt. Gut 30Km ging es nun Bergab bis nach Wassen. Dabei ging es über 1500Höhenmeter hinunter. Ein wunderbares Gefühl mit schöner Aussicht. Hier konnte man sogar mal die Bremsen für einige Momente loslassen, so dass ich hier meine Spitzengeschwindigkeit von über 72Km/h erreichte. Wassen mussten wir komplett durchqueren. Hier herrschte sehr viel Autoverkehr und ich war froh als wir den Ort wieder verlassen konnten. Dachte ich zumindest. Aber nun kam sofort der Anstieg zum Sustenpass und der hatte es in sich. Nicht nur weil ich schon zwei Pässe in den Beinen hatte, nein es gab nicht eine einzige Stelle auf dem 20Km langen Anstieg auf dem man sich hätte ein wenig „ausruhen" können. Stetig ging es mit 8-9% Bergauf. Ich war nun schon eine Stunde auf dem Sustenpass unterwegs und meine Kräfte schienen am Ende zu sein. Ich konnte nicht mehr, aber ich wollte auf keinen Fall absteigen. Ich wollte diesen „schei..." Pass bezwingen. Die Beine brannten wie Feuer aber es gab keine Möglichkeit sich auszuruhen oder langsamer zu fahren. Noch langsamer und ich würde umfallen dachte ich. Mein Tacho zeigte zwischen 7,5 und 9 Km/h an . Aber ich überholte einige Fahrer und das gab mir wieder Kraft. Nach Sustenpassetwas über 2 Std. erreichte ich den Susten Scheiteltunnel. Endlich ein 200m langer Tunnel der, man mag es kaum glauben KEINE Steigung hatte und am Ende sein Ziel, den Sustenpass erreichte, Hier oben nun waren wir tief in den Wolken. Es war sehr nasskalt und ungemütlich. Schnell zog ich mir wieder meine warmen „Klamotten" an und verpflegte mich an der letzten Station. Nun waren es nur noch knapp 35Km bis zum Ziel in Meiringen. Da es sehr kalt hier oben war und ich nun auch langsam nach „Hause" wollte machte ich mich schnell wieder auf den Weg. Das mit dem schnell konnte ich aber vergessen. Die Sichtweite betrug hier oben geschätzte 30m und nach ca. 1km Fahrt fing es auch noch an zu regnen. Jetzt wurde es erst richtig kalt. Ich stand nur auf der Bremse und schlich den berg hinab. Fast wäre ich noch einem Radfahren hinten auf gefahren, so dicht waren die Wolken hier oben. Ich versuchte soweit wie möglich rechts zu fahren, da ab und an immer wieder ein Auto entgegenkam. Ich hatte sogar ein wenig Angst denn ich hatte kein Licht so dass mich die Autofahrer kaum sehen konnten und neben mir schien es steil Bergab zu gehen. Langsam fuhr ich aus den Wolken heraus, konnte wieder besser sehen und es wurde auch schlagartig wärmer. Nur aufgehört zu regnen hatte es nicht. Im Gegenteil es goss in strömen. Nach einer Weile überholte mich ein Pärchen welches ich ab und an auf dem Sustenpass gesehen hatte. Ich hängte mich in den Windschatten und so fuhren wir bis Innertkirchen. Hier gab es noch einmal einen kleinen Anstieg und ich musste sofort „Abreißen" lassen. Ich war am Ende. Als ich dann endlich das Ortsschild von Meiringen sah war ich heilfroh es fasst geschafft zu haben. Nur noch ein paar Kurven, dann war es zu sehen. Das Ziel! Nach fast 8 Stunden auf dem Rad.132Km und 3875Höhenmetern in den Beinen fuhr ich durchs Ziel und viel meine „Frauchen" erschöpft in die Arme. Geschafft, ich hatte es wirklich geschafft. Zwar „nur" die kleine Silber-Tour, aber immerhin.

 

 

 

 

Fazit: Super Tour mit sehr schönem Ausblick und zwischendurch auch ein wenig Spaß. Ich hatte die Berge aber unterschätzt und war froh dass ich nur die Silber-Tour gefahren bin. Ob ich noch einmal eine Alpentour machen werde weiß ich noch nicht. Dieses Jahr jedenfalls nicht mehr ;-)

Weiterer Bilder findet ihr in der Bildergallerie

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