Alpenbrevet 2023 (Gold Tour)

IMG 4906Am Donnerstag morgen ging es vom Bodensee aus gleich nach dem Frühstück los, so dass wir in Andermatt am frühen Nachmittag angekommen sind. Der „Campingplatz“, den ich gebucht hatte, war mehr ein großer Parkplatz direkt an der Seilbahn. Hier waren auch die Duschen und Toiletten untergebracht. Aber es war alles sauber und ordentlich. Die Rezeption hatte noch geschlossen, und so nutzenwir die Zeit und das gute Wetter. Wir suchten einen Stellplatz aus, holten die Räder von WoMo, machten uns "Rad fertig" und fuhren gleich mal den Oberalppass, welcher auch beim Alpenbrevt der Gold Tour gefahren wird, einmal hoch. Der Pass war am Anfang recht anspruchsvoll, zum Ende hin aber immer flacher. Auf der Passhöhe war es recht frisch, so das wir noch ein „Käffchen“ genommen haben. Anschließend ging es in rasenter Abfahrt wieder zurück nach Andermatt und checkten beim Campingplatz ein.

Am Freitagvormittag schlenderten wir etwas durch den Ort und holten unseren Startunterlagen, die eigenlich nur aus unserer Startnummer mit dem Transponder bestand, ab. Am Nachmittag machten wir dann noch eine kleine 6-7Km Wanderung in den Bergen von Andermat. Irgendwie mussten wir ja die Zeit bis zum nächsten Tag rum kriegen.

Race Day:

IMG 4831IMG 4912Samstag klingelte der Wecker früh morgens um 4:45Uhr. Schnell ein paar „Häbchen“ und Käffchen reingedrückt und schon mussten wir uns Richtung Start aufmachen. Es war stockdunkel als wir um 5:30Uhr mit unserem Camping Nachbarn aus Nürnberg, er hatte sich uns angeschlossen, zum Start fuhren. Kaum dort angekommen, ging es keine 5min. später Punkt 5:45Uhr los. Da wir sehr spät am Start waren, starteten wir sehr weit hinten. Der erste Pass der wir bewältigen mussten, war der Oberalppass (2044m ü.M.) Dieser ging direkt von Andermatt los, und so ging es nach gut 500m schon in den ersten Anstieg. Es war ein grandioser Anblick wie sich die roten „Lämpchen“ im dunkeln die Serpentinen hochschlängelten. Ich hatte mir Beinlinge für die anschließende Abfahrt angezogen, diese aber runtergezogen für den Anstieg. Obenrum trug ich nur ein Radtrikot mit einer Windweste, was vollkommen ausreichte, da es ja auch gleich in den Berg hineinging. Das Wetter war sehr angenehm.  8°C im Tal und kaum kälter auf der Passhöhe. Wir fuhren im „Peloton“ sehr gemütlich hoch und erreichten die Passhöhe nach knapp 1 Std. Zwischenzeitlich ging die Sonne zwischen den Bergen auf und es war ein einmaliger Anblick. Auf der Passhöhe hielten wir kurz an. Ich zog meine Beinlinge hoch, eine Jacke an und setztet sogar eine Mütze auf. Dann ging es auf einer sehr lange und vor allem kalte Abfahrt. Ich war froh Beinlinge, Jacke und Mütze angezogen zu haben. Selbst Handschuhe wäre nicht zu warm gewesen, da die gesamte Abfahrt auch noch im Schatten lag.
IMG 4917In Disentis am Ende der Abfahrt war die erste Verpflegungsstation. Hier hielten wir kurz an, aßen eine Kleinigkeit und zogen unsere Jacke bzw. Mützen wieder aus, denn kurz darauf ging es schon in den nächsten Anstieg. IMG 4898Der Lukmanierpass (1916m ü.M.) stand uns bevor. Die 61 km lange Passstraße von Disentis in Graubünden nach Biasca im Tessin, führt auf der Nordseite durch das Val Medel. Auch dieser Anstieg lag fast die gesamte Strecke im Schatten, ließ sich aber dennoch recht gut fahren. Kurz vor der Passhöhe mussten wir dann noch durch einen langen, aber zum Glück nicht dunklen, Tunnel fahren. Auch hier oben hielten wir kurz an um uns für die Abfahrt warm anzuziehen. Zwar war es nicht mehr so kalt, aber immer noch sehr frisch. Nun ging es gefühlt 30Km bergab. In Biasca, wir befanden uns nun im Tessin, hielten wir erneut an. Hier waren es in der Sonne gefühlt über 30°C, so das ich mich komplett umgezogen habe. Beinlinge und mein langes „Windstopper Shirt“ zog ich aus und fuhr nur noch im Radtrikot weiter. Die Strecke von BIasca bis nach Airolo war leicht hügelig und zog sich unendlich lange hin. In Airolo war der nächste Versorgungspunkt wo wir uns erneut mit Cola, Brötchen und heißer Brühe versorgten. Unser Campingnachbar Ingo war immer noch bei uns, hatte aber schon mächtig zu kämpfen. Nun ging es weiter Richtung Nufenenpass (2439m ü.M.).

Der Nufenenpass ist ein 2439 m ü. M. hoher Gebirgspass in der Schweiz, der die Kantone Wallis im Westen und Tessin im Osten verbindet sowie die Gotthard-Gruppe im Norden von der  Leone-Gruppe im Süden trennt. Er ist mit seinen 2478 m der höchste innerschweizerische Alpenübergang und bildet die Grenze zwischen dem Wallis und dem Tessin. Von Osten aus erreicht man die Passhöhe über das Val Bedretto entlang dem Ticino und gelangt durch zahlreiche Serpentinen nach Ulrichen. Umgeben wird der Pass vom Piz Nero (2904 m) im Norden und von der italienischen Grenze im Süden. Der Nufenenpass ist einer der jüngsten Alpenübergänge überhaupt. Durch seine hohe Durchschnittssteigung, seine zahllosen Serpentinen und seine Windanfälligkeit (in beiden Richtungen) ist der Nufenen einer der Härtesten.

IMG 4923Die Anfahrt zum Nufenpass war wirklich schön. Man hatte einen schönen Blick auf den Gothardpass bevor es dann richtig „ernst“ wurde. Konnte man den Oberalppass und Lukmanierpass noch recht moderat hochfahren, ging es hier ordentlich zur Sache. Ingo unser Campingnachbar hatte sich schnell verabschiedet und auch Dirk musste ein wenig Tribut zahlen und viel etwas zurück. Auch meine Beine wurden immer schwerer und das Tempo immer langsamer. Aber mein „Motto“ stand. Absteigen bis zur Passhöhe war keine Option. So kam ich dann auch ziemlich „fertig“ oben auf der Passhöhe an. Hier oben war es sehr frisch und ein kalter Wind blies über die Passhöhe. Kaum hatte ich mich warm angezogen, kam auch schon Dirk. Auch er musste erst einmal durchschnaufen bevor auch er sich etwas überzog. Dann ging es in rasanter Abfahrt hinunter nach Ullrichen, wo der letzte Versorgungspunkt auf uns wartete. Hier gab es wieder ordentlich Cola, Brötchen, Erdnüsse und weiteres salziges Gebäck. Nachdem wir uns gestärkt und unsere Trinkflaschen gefüllt hatten, machten wir uns auf zum letzten Anstieg, dem Furkapass (2429m ü.M.)

Der Furkapass liegt parallel zwischen Sustenpass und Nufenenpass und bildet die Grenze der beiden Schweizer Kantone Uri und Wallis. Östlich verläuft die Straße im Urseren entlang des Furkareuss-Quells sowie der historischen Furkabahn, im Westen passiert man den mächtigen Rhônegletscher. Für’s Auge sind die Dreitausender Furkahorn (3169 m), Galenstock (3583 m) und Dammastock (3630 m) im Norden, sowie die Muttenhörner (3099 m) und das Leckihorn (3065 m) im Süden.

Kurz nachdem wir Ullrichen verlassen hatte, ging es auch schon los. Fuhren wir am Anfang noch in einer etwas größeren Gruppe, löste diese sich ganz schnell auf. Ich „verfiel“ wieder in mein „Bergtempo“ und nahm kaum Notiz davon das Dirk erneut zurück viel. Nach ein paar Kurven sah ich einen riesigen Berg mit unendlichen Serpentinen vor mir. Oh man, dachte ich das kann ja was werden. Als ich allerdings einige Zeit später in Gletsch ankam, stellte sich aber heraus, das es der Grimselpass war und wir rechts auf den Furkapass fahren mussten. Hier genau war die Stelle, an der ich 2018 vom Grimmselpass kommend, mich entschieden habe auf die Silbertour abzubigen, wegen des schlechten Wetters. Zum Glück hatte ich vergessen wir herausfordernd der Furkapass war. Schon drei Pässe in den Beinen mit über 160Km war der Furkapass schon eine große Herausforderung. An einigen „Rampen“ lag meine Trittfrequenz nur noch knapp unter 50. Aber ein anhalten war keine Option, obwohl die Oberschenkel brannten. Trotzdem konnte ich noch die wunderbare Aussicht genießen. Auf der Passhöhe angekommen, wurde noch schnell ein „Selfie“ gemacht und dann eine Jacke übergezogen. Anschließend setzte ich mich in einer sonnigen windgeschützten Ecke und wartete auf Dirk. Dieser ließ sich diesmal etwas mehr Zeit, so dass ich schon dachte es sei etwas passiert. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass Dirk das eine oder andere Mal anhalten musste um zu „verschnaufen“. Ja er hatte eben ein paar Kilo mehr „hochzuschleppen“. Trotzdem machte er noch eine gute Figure als er oben ankam. Kurzes Foto, Jacke übergeschmissen und schon ging es in die letzte Abfahrt hinunter nach Realp. Von dort aus waren es noch knapp 8KM bis Andermatt, wo uns der Gegenwind noch einmal etwas forderte. Als wir in den Zielkanal einfuhren, war der Zielbereich schon sehr gut gefüllt. Naja wir waren auch nicht die schnellsten. Leider gab es keine vernünftige Zielverpflegung, und so machten wir uns schnell auf Richtung WoMo. Dort angekommen „hüpften“ wir unter die Dusche. Kaum fertig geduscht wurde der Grill angezündet und wir ließen den Abend bei einem kühlen alkoholfreiem Weizen, einem lecker gegrilltem Steak mit Würstchen und Salat ausklingen. Am nächsten Tag ging es gleich nach dem Frühstück Richtung Heimat. Allerdings fuhren wir nur bis in die Nähe von Göttingen und übernachteten dort, bevor wir am Montagmittag in Hamburg ankamen!

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Fazit: Im Gegensatz zu 2018 hatte ich (wir) bestes Wetter, was die Tour natürlich um einiges attraktiver machte. Und eine Tour mit Dirk macht sowieso immer Spaß. Es passte irgendwie alles. Auch wenn sich die Strecken wohl nicht viel ändern werden, ich glaube es war nicht der letzte Alpenbrevet. Für 2024 versuchen wir (Dirk, Thomas und ich) es aber ersteinmal erneut mit einem Platz beim Ötztaler Ratmarathon.

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